Prager Burg & Hradschin
Die Burg im Überblick
Die Prager Burg ist nicht eine einzelne Burg, sondern ein gewaltiger Komplex aus Palästen, Kirchen, Gärten, Galerien und Höfen, der sich über 70.000 m² erstreckt — das Guinness-Buch führt sie als größte geschlossene Burganlage der Welt. Seit dem Jahr 870 ist sie das politische und geistliche Zentrum Böhmens: Sitz böhmischer Könige, Heiliger Römischer Kaiser und heute des tschechischen Präsidenten.
Eintrittskarten
Das Burggelände selbst ist kostenlos begehbar — du kannst durch die Höfe spazieren und die Aussicht genießen. Für die Innenräume brauchst du ein Ticket:
- Circuit B (empfohlen): 250 CZK — Veitsdom (Inneres), Alter Königspalast, Basilika St. Georg, Goldenes Gässchen. Das Beste der Burg in 2–3 Stunden.
- Circuit A: 350 CZK — Alles aus B plus Gemäldegalerie, Ausstellungsräume und Pulverturm.
- Veitsdom Kirchenschiff: Kostenlos! — Der Zugang zum hinteren Teil des Doms (Kapellen, Krypta, Turm) erfordert ein Ticket.
Praktische Tipps
- Beste Zeit: Morgens vor 10 Uhr oder ab 15 Uhr — die Reisebusgruppen kommen zwischen 10 und 14 Uhr.
- Sicherheitskontrolle: Taschen werden am Eingang durchleuchtet — ähnlich wie am Flughafen.
- Anfahrt: Tram 22 bis „Pražský hrad" (am nächsten zum Eingang) oder „Pohořelec" (am weitesten, aber schönster Weg durch den Hradschin). Alternativ: zu Fuß die Nerudova-Gasse hinauf (steil, aber wunderschön).
Veitsdom (Katedrála sv. Víta)
Der Veitsdom ist Prags überragendes Bauwerk — im wörtlichen Sinn: Die gotische Kathedrale ragt mit ihrem 99 Meter hohen Südturm weit über die Burgmauern hinaus und ist das erste, was man von Prag sieht. Der Bau begann 1344 unter Kaiser Karl IV. und wurde erst 1929 vollendet — fast 600 Jahre Bauzeit.
Was gibt es zu sehen?
- Das Kirchenschiff: Allein die Dimensionen nehmen den Atem: 124 Meter lang, 60 Meter breit, 33 Meter hohes Gewölbe. Gotische Pfeiler, die wie Bäume in den Himmel wachsen. Das Kirchenschiff ist kostenlos zugänglich.
- Alfons Muchas Jugendstil-Fenster: Das berühmte Buntglasfenster im nördlichen Seitenschiff, gestaltet vom Jugendstil-Meister Alfons Mucha — eine Explosion aus Farben und Licht, die die Geschichte der Slawenapostel Kyrill und Method erzählt. Muchas einziges Kirchenfenster.
- Wenzelskapelle: Die prächtigste Kapelle des Doms — mit über 1.300 Halbedelsteinen (Amethyste, Jaspis, Karneol) in den Wänden, Goldverzierungen und Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Hier ruhen die böhmischen Kronjuwelen hinter sieben Schlössern, zu denen sieben verschiedene Personen die Schlüssel haben.
- Königliche Krypta: In der Krypta unter dem Dom liegen Karl IV., Wenzel IV. und Rudolf II. begraben — drei der bedeutendsten böhmischen Herrscher.
- Südturm: 287 Stufen nach oben (kein Aufzug!) — die Belohnung ist ein 360°-Panorama über ganz Prag. 150 CZK extra.
Tipp
Der Veitsdom ist am schönsten im Morgenlicht (9–10 Uhr), wenn die Sonne durch die Ostfenster fällt und Muchas Fenster leuchtet. Nachmittags ist das Licht flacher und die Farben weniger intensiv.
Das Goldene Gässchen
Die Zlatá ulička (Goldenes Gässchen) ist eine der märchenhaftesten Gassen der Welt: Winzige, pastellfarbene Häuschen — kaum größer als ein Gartenschuppen — kleben an der nördlichen Burgmauer. Im 16. Jahrhundert lebten hier die Goldschmiede Rudolf II., die für den Kaiser (angeblich) Gold herstellen sollten. Die Legende sagt, hier hätten Alchemisten versucht, den Stein der Weisen zu finden.
Kafka im Goldenen Gässchen
Das Haus Nr. 22 — ein winziges blaues Häuschen — bewohnte Franz Kafka im Winter 1916/17. Hier schrieb er die meisten Erzählungen des Bandes „Ein Landarzt". Heute ist es ein Buchladen mit Kafka-Souvenirs. Die Vorstellung, dass einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts in diesem Puppenhaus arbeitete, ist surreal — und sehr kafkaesk.
Was gibt es zu sehen?
Die 16 erhaltenen Häuschen sind als Museum eingerichtet: Nachstellungen des Lebens im 16.–19. Jahrhundert, eine Waffenausstellung im Obergeschoss (mittelalterliche Rüstungen und Schwerter) und kleine Werkstätten. Am Eingang und Ausgang des Gässchens gibt es Souvenirläden in den Häuschen.
Besuchstipp
Das Goldene Gässchen ist im Burg-Ticket enthalten (Circuit A oder B). Tagsüber ist es extrem voll — kaum Platz zum Atmen. Ab 17 Uhr (nach Kassenschluss) kann man das Gässchen kostenlos betreten — dann ist es leer, die Häuschen sind geschlossen, aber die Atmosphäre ist magisch.
Der Hradschin
Der Hradschin (Hradčany) ist das aristokratische Viertel rund um die Burg — ein Quartier aus Palästen, Klöstern, Gärten und stillen Gassen, das sich kaum verändert hat seit dem 18. Jahrhundert. Während die Massen in die Burg strömen, ist der Hradschin oft überraschend ruhig.
Highlights im Hradschin
- Hradschin-Platz (Hradčanské náměstí): Der monumentale Platz vor dem Burgtor — umgeben vom Erzbischöflichen Palais, dem Schwarzenberg-Palais (Militärmuseum) und dem Sternberg-Palais (Europäische Alte Meister der Nationalgalerie: Dürer, Cranach, El Greco).
- Strahov-Kloster (Strahovský klášter): Das Prämonstratenserkloster von 1143 beherbergt zwei der schönsten Bibliothekssäle der Welt: den Theologischen Saal (barocke Bücherregale bis zur Decke, Stuckdecke) und den Philosophischen Saal (klassizistisch, Deckenfresken). Die Strahov-Brauerei nebenan macht exzellentes Klosterbier. Bibliothek: 120 CZK, Brauerei: Bier ab 55 CZK.
- Loreta: Die Wallfahrtsstätte mit der Nachbildung des Heiligen Hauses von Loreto, einem barocken Kreuzgang und dem Loreta-Schatz — darunter eine Monstranz mit 6.222 Diamanten. Eintritt: 200 CZK.
- Nový Svět (Neue Welt): Eine versteckte Gasse am Rand des Hradschin — winzige Häuschen, Kopfsteinpflaster, Stille. Hier wohnte der Astronom Tycho Brahe. Prags bestgehütetes Geheimnis — kein Tourist verirrt sich hierher.
Tipp
Die beste Burg-Strategie: Nimm die Tram 22 bis „Pohořelec", besichtige zuerst das Strahov-Kloster (Bibliothek + Biergarten), geh dann durch den Hradschin zur Burg und arbeite dich von hinten nach vorne durch. So gehst du gegen den Touristenstrom und hast weniger Gedränge.
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